15 Jahre Frauenberatung Perg
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15 Jahre Frauenberatung Perg

15 Jahre Frauenberatung Perg

Der Rückblick auf 15 Jahre Frauenberatung fällt erfreulich und ernüchternd zugleich aus: Erfreulich ist, dass es trotz der immer wieder sehr unsicheren finanziellen  Absicherung gelungen ist,  ein sehr professionelles, frauenspezifisches, rechtliches   Beratungsangebot aufzubauen.  „Frauenspezifisch Beratung berücksichtigt die gesellschaftlichen Rahmen- und Entstehungsbedingungen von Problemen. Probleme von Frauen sind fast nie ausschließlich individuell, sondern fast immer im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Die daraus entstehenden Konflikte gehen tief bis in die privatesten (Liebes-) Beziehungen.“

Ernüchternd ist, dass sich die Probleme von Frauen in den letzten 15 Jahren nicht sehr verändert haben.  Unvereinbarkeit von Familie und Beruf, niedrige nicht existenzsichernde Einkommen, Ökonomische Abhängigkeiten, Existenzsorgen bei Trennung/Scheidung, leistbare Wohnungen, Gewalterfahrungen und gesundheitliche Probleme. Die Coronakrise und die Kürzungen von Sozialleistungen z.B. bei der Wohnbeihilfe und der Sozialhilfe „Neu“ führten auch dazu,  dass die Existenzsicherung für Frauen zu einem immer größeren Problem wird.

Gleichzeitig wird Frauen eine Pseudo Wahlfreiheit suggeriert, soziale und strukturelle Probleme werden individualisiert, und Frauen werden selbst für ihre Benachteiligung z.B. niedrige Pension, niedriges Einkommen, falsche Berufs- Studienwahl, verantwortlich gemacht. Zu den „alten Anforderungen- Zuständigkeit der Familien-Sorgearbeit kommen die neuen Anforderungen wie eigenständige wirtschaftliche Absicherung bis hin zur privaten Altersvorsorge.

Die Politikwissenschaftlerin und Mitautorin des Johanna Dohnal Buches, Dr.in Alexandra Weiss, referierte bei unserer zusammengelegten Generalversammlung und 15 Jahres Feier wie Wirtschafts- und Arbeitsorganisation die privaten Lebensverhältnisse und Geschlechterverhältnisse beeinflussen und wie eine Frauenpolitik jetzt aussehen könnte.

Beim Umbau vom sozialstaatlich  (Nachkriegs-) Kapitalismus zu einem  neoliberalen kapitalistischen Wirtschaftssystem wurde völlig ausgeblendet wer weiterhin im Dreieck Staat – Familie – Markt- die unbezahlte Reproduktionsarbeit – zu welchen Preis – macht. Während im Nachkriegskapitalismus das bürgerliche Familienideal – Mann Familienernährer, Frau – Hausfrau und Zuverdienerin war,  ist in einem neoliberalen kapitalistischen Wirtschaftssystem jeder für seine soziale Absicherung selbst verantwortlich. Ziel  dieses Systems war auch die Erhöhung der Frauenerwerbstätigkeit, diese führte dazu, dass in einem deregulierten Arbeitsmarkt Frauen in prekären Teilzeit Beschäftigung integriert wurden.

Die Kampagne „Ganze Männer machen Halbe/Halbe war auch eine Reaktion auf diese  Veränderungen in der Arbeitswelt. Der Umbau des Wirtschaftssystems – Flexibilisierung, Deregulierung  des Arbeitsmarktes, Sozialstaatsabbau,  erforderte völlig neue Anforderungen an die ArbeitnehmerInnen, wie z.B. Eigenverantwortlichkeit, Autonomie und  Flexibilität.

Frauenpolitik muss wieder mit der Frage sozialer Gerechtigkeit verbunden werden – dabei  geht es um Ausbau der sozialen Infrastruktur, Aufwertung der schlecht bezahlen Frauenbranchen, Arbeitszeitverkürzung, und es muss öffentlich auch wieder darüber debattiert werden wer von den gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten profitiert.